Les-belles-lettres

Monday, 17. November 2008

...

Et sais-tu ce qui m'occupe,
Jeanne? c'est que j'aime mieux
La moindre fleur de ta jupe
Que tous les astres des cieux.

(V. Hugo)

Tuesday, 30. September 2008

Victor Hugo: Quand les guignes...

Quand les guignes furent mangées,
Elle s'écria tout à coup:
- J'aimerais bien mieux des dragées.
Est-il ennuyeux, ton Saint-Cloud!

On a grand-soif; au lieu de boire,
On mange des cerises; voi,
C'est joli, j'ai la bouche noire
Et j'ai les doigts bleus; laisse-moi. --

Elle disait cent autres choses,
Et sa douce main me battait.
O mois de juin! rayons et roses!
L'azur chante et l'ombre se tait.

J'essuyai, sans trop lui déplaire,
Tout en la laissant m'accuser.
Avec des fleurs sa main colère,
Et sa bouche avec un baiser.

Monday, 28. July 2008

Dämliche Lieblingssätze #2

Endlich eine Kategorie, für die kaum Aufwand betrieben werden muß; lächerliche Sätze, die irgendwie doch was haben finden sich auf Schritt und Tritt, etwa in John Clelands Fanny Hill (1749):
One evening I cannot help remembering, that, returning home from him with a spirit he had raised in a circle his wand had proved too weak to lay, as I turned the corner of a street, I was overtaken by a young sailor. (p. 177)
Das double entendre ist natürlich beabsichtigt, und Fannys Flucht vor der Impotenz des Liebhabers führt zu einer der wenigen humorvollen (und echt witzigen) Sexszenen des Buches, doch die lakonische Koketterie des obigen Satzes gepaart mit der grotesken Metapher und dem geringfügig unglaubwürdigen nauta-ex-machina erreicht einen Gipfel des Lächerlichen.

Wieso zum Teufel funktioniert es aber trotzdem? Zum einen ist da die makellose Kadenz der luftdicht aneinandergereihten Nebensätze: jede geringfügige Änderung zerstört das Satzgefüge; aber auch etwas viel subtileres: der fließende Wechsel der Tonart mitten im Satz.

Der Kontext ist einer der Satire. Man wird annehmen, daß der sexbesessene aber weitgehend impotente Liebhaber, der auf den Seiten zuvor eingehend geschildert wird, im 18. Jahrhundert nicht ganz ernstzunehmen war. Zu deutlich unterscheidet er sich von all jenen kraftstrotzenden Mannsbildern, deren "Waffen" beinahe dem Willen ihrer Besitzer gehorchen. Mit der Matrosen-Episode schließlich verlegt der Autor sich auf die Parodie, wie es scheint. Er treibt die Klischees auf die Spitze, während er dem Leser wohlverdient Humoristisches serviert (die folgende Szene arbeitet vor allem mit der Seemannssprache).

Doch gleichzeitig scheint es, als wäre es die Icherzählerin Fanny selbst, die sich parodiert, denn sie setzt so selbstverständlich mit dem unklaren "I cannot help remembering" ein, als wäre es pure Ironie. Der Leser mag den Eindruck haben, sie erfindet die Geschichte schnell, um von der traurigen Obsession des Impotenten abzulenken. Doch die Sache ist noch komplexer. Der fantastische Aspekt ist freilich schnell ins Spiel gebracht, mit dem Zauberstab und dem magischen Kreis. Die Metapher repräsentiert natürlich vor allem die sexuelle Erregung der Protagonistin, doch ihre wörtliche Bedeutung ist trotz ihrer Lächerlichkeit essentiell für die Passage. Der "spirit", der Geist, der noch nicht besänftigt ist, lockt den Leser innerhalb weniger Momente so weit von seinem Realitätsanspruch weg, daß es ganz natürlich, ja beinahe notwendig erscheint, daß ums Eck ein Matrose wartet, der nun den Exorzismus vornimmt.
Um nicht unkontrolliert ins Profane zu kippen, scheinen die Vergleiche mit einem Kampf auf hoher See, einem Sturm usw beinahe notwendig. Der Text hat zwar in den folgenden Absätzen immer wieder eine realistische Komponente, doch es scheint die Sprache selbst zu sein, die ihr eigenes Spiel spielt: die Parodie, die sich auf diese eine groteske, irreale Szene beschränkt, die kurze Episode eines ungeduldigen Koitus ("canting up my petticoat and shift, [I] bared my naked posteriors to his blind and furious guide. It forces its way between them, and I feeling pretty sensibly that it was not going by the right door and knocking desperately at the wrong one, I told him of it: 'Pooh,' says he, 'my dear, any port in a storm.'" p. 178), nutzt die Gunst des Augenblickes, um ihren Schabernack zu treiben, und verschwindet dann wieder in der teils satirischen teils feierlichen Grundstimmung. Als die Madame des Bordells, wo Fanny arbeitet, sie mit der Gefahr von Geschlechtskrankheiten konfrontiert, ist man jedenfalls endgültig wieder auf dem Boden dieser speziellen Realität angelangt.

(Zitate nach: John Cleland: Fanny Hill. Or, Memoirs of a Woman of Pleasure. Edited with an Introduction by Peter Wagner. London: Penguin 2001)

Wednesday, 2. July 2008

Dämliche Lieblingssätze #1

"Der Alte lächelte ganz seltsam, legte die Hand auf Traugotts Schulter und sprach leise und bedächtig: "Ihr wißt also nicht, daß ich der deutsche Maler Godofredus Berklinger bin, und die Figuren, welche Euch so zu gefallen scheinen, vor sehr langer Zeit, als ich noch ein Schüler der Kunst war, selbst malte?"

E.T.A. Hoffmann: "Der Artushof", in: Ders.: Die Serapions-Brüder. München: Winkler 1963, p. 155

Sunday, 3. February 2008

Pun or Anachronism?

Beim erneuten Lesen von Flauberts L'Éducation sentimentale fiel mir wieder auf, was ich schon beim letzten Mal geahnt hatte - nur weiß ich bis heute nicht, ob es ein Zufall ist, oder ein bewußtes Wortspiel Flauberts:
Il avait fait à l'École une autre connaissance, celle de M. de Cisy, enfant de grande famille et qui semblait une demoiselle, à la gentillesse de ses manières.
M. de Cisy s'occupait de dessin, aimait le gothique. [...] Il riait beaucoup à la moindre plaisanterie, et montrait une ingénuité si complète, que Frédéric le prit d'abord pour un farceur, et finalement le considéra comme un nigaud. [I, iii, p. 40]
Man wird leicht durchschauen, daß es sich hier um eine nicht sehr differenzierte Darstellung eines Homosexuellen handelt, noch bevor es von ihm heißt: "Deslauriers prenait les femmes comme une distraction, rien de plus. M. de Cisy avait à leur endroit toute espèce de crainte." [I, v, p. 77].
Was mich nun nicht losläßt ist die Frage, ob "Cisy" von Flaubert bewußt dem englischen "sissy" nachgebildet ist, dessen Hauptbedeutung (neben dem Diminutiv für "sister") im Webster's Third "an effeminate man or boy" lautet.
Ich habe kein OED zur Hand, um zu überprüfen, ob der Begriff schon in den 1860ern geläufig war, oder ob es sich um einen Zufall, vielleicht sogar eine Analogiebildung (d.h. Flaubert verwendet den Diminutiv von "sister" für einen Mann) handelt.
Jedenfalls scheint mir der Name auf eine gewisse Art sehr gut gewählt.

Wednesday, 16. January 2008

Un po' di petrarchismo, ironico, osceno

Madonna, per ver dire,
s'io vel facessi, che io possa morire:
perché so che sapete
che ne la vulva vostra
sovente Amor con le piattole giostra;
poi sì grande ano avete,
che v'entrarebbe tutta l'età nostra.
E tu, Amor, senza giurar mel credi,
che egualmente le puzza il fiato e i piedi.
Adunque, per ver dire,
s'io vel facesse, che possa morire.

[Pietro Aretino, Dialogo nel quale la Nanna insegna alla Pippa... (1536)]

Friday, 16. November 2007

Un peu holprig, n'est-ce pas?

"C'est que l'on ne sait pas ici ce que c'est que de Bergers de votre sorte."

Charles Sorel: Le berger extravagant... Paris: Chez Toussainct du Bray 1627 (von mir modernisiert) p. 140

Sunday, 30. September 2007

A Minute for Poetry: "Wind and Window Flower" (Robert Frost)

Lovers, forget your love,
And list to the love of these,
She a window flower,
And he a winter breeze.

When the frosty window veil
Was melted down at noon,
And the cagèd yellow bird
Hung over her in tune,

He marked her through the pane,
He could not help but mark,
And only passed her by,
To come again at dark.

He was a winter wind,
Concerned with ice and snow,
Dead weeds and unmated birds,
And little of love could know.

But he sighed upon the sill,
He gave the sash a shake,
As witness all within
Who lay that night awake.

Perchance he half prevailed
To win her for the flight
From the firelit looking-glass
And warm stove-window light.

But the flower leaned aside
And thought of naught to say,
And morning found the breeze
A hundred miles away.

Tuesday, 25. September 2007

He's kidding, right? Right?

"Je voulus à son exemple faire de l'encre de sympathie. Pour cet effet après avoir rempli une bouteille plus qu'à demi de chaux vive, d'orpiment et d'eau, je la bouchai bien. L'effervescence commença presque à l'instant très violemment. Je courus à la bouteille pour la déboucher, mais je n'y fus pas à temps; elle me sauta au visage comme une bombe. J'avalai de l'orpiment, de la chaux; j'en faillis mourir. Je restai aveugle plus de six semaines, et j'appris ainsi à ne pas me mêler de physique expérimentale sans en savoir les éléments."

Jean-Jacques Rousseau, Les Confessions, Livre 5, [Ed. Gagnebin, Raymond. Paris: Gallimard 1973, p. 280]

[Ich wollte nach seinem Vorbild unsichtbare Tinte machen. Zu diesem Zweck füllte ich eine Flasche mehr als zur Hälfte mit ungelöschtem Kalk, Orpiment und Wasser, und verstöpselte sie gut. Die Reaktion begann beinah im gleichen Moment sehr heftig. Ich rannte zur Flasche, um sie zu entstöpseln, aber war nicht rechtzeitig dort; sie flog mir ins Gesicht wie eine Bombe. Ich schluckte Orpiment und Kalk; ich wäre beinah daran gestorben. Ich blieb für mehr als sechs Wochen blind, und lernte so, mich nicht mit Experimentalphysik zu beschäftigen, ohne dabei die Einzelheiten zu kennen. ]

Monday, 24. September 2007

Lyrisches Intermezzo

heine1

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Neue Kommentare

ich verstehe diesen eintrag...
ich verstehe diesen eintrag noch immer nicht...
roland_and_his_burning_nose - 27. Apr, 21:26
dort gibt es zweifellos...
dort gibt es zweifellos weiße anzüge, hawaiihemden,...
syro0 - 18. Dec, 13:00
2009 wird ein Abba museum...
2009 wird ein Abba museum mit ca. 750 erinnerungsstücken...
turntable - 17. Dec, 22:29
polyphon sogar: ich bemerke...
polyphon sogar: ich bemerke erst jetzt einen gewissen...
syro0 - 26. Nov, 15:56
diesem Hausverstand pfeift...
diesem Hausverstand pfeift doch das schwein! grüße:-)
turntable - 25. Nov, 23:11
très charmant
très charmant
gizzy duststar - 17. Nov, 20:25
lol!
lol!
roland_and_his_burning_nose - 11. Nov, 18:41
danke für die ehre,...
danke für die ehre, welche mir zuteil wird. grüße
turntable - 2. Nov, 17:02

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Tacones lejanos (Pedro Almodóvar)

Matador (Pedro Almodóvar)

Ladri di biciclette (Vittorio de Sica)

Nicht nur auf Italienisch wünschenswert

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