Dem ist kaum allzu viel hinzuzufügen

"Chomsky pronounced that knowledge of grammatical construction constituted the true mastery of a language. 'With a complete list of terminal strings all the basic sentences possible can be worked out.' I am not happy about this. Chinese and Malay do not impose this kind of obligation. Vocabulary is far more important in both than rules of syntax. Grammar has its own fascination and, in a ghostly manner, its own peculiar truth. [...] There is a satisfactory boniness about grammar which the flesh of vocabulary, or lexis, requires before it can become vertebrate and walk the earth. But it is probably unrealistic to stress its importance. It leads us to a world of dreams:

When I corkled the veriduct in morful wurtubs and, prexing the coroflock, chonted the furpool by crerlicoking the fark, I wottled the duneflow by fonking the raketoppled purnlow and then asserticled the prert (in both slonces) through a clariform rarp of werthearkers.

That is good grammar. But it is not anything else."

[Anthony Burgess. A Mouthful of Air. Language and languages, especially English. London: Hutchinson 1992, p. 117-18]
diefrogg - 16. Aug, 17:17

I didn't know...

...Burgess was so good at Konkrete Poesie. Quite nice, actually.

Anyway, I used to think more or less the same as Burgess about Chomsky until I came across an article in «Spiegel» a few weeks ago. In this article it was said that some scientists believe the brain works in terms of Generative Grammar when it is working on moral decisions.

Oh, jetzt habe ich Deinem Eintrag doch etwas hinzugefügt. Dabei war das vielleicht gar nicht die Absicht ;)

syro0 - 17. Aug, 00:17

Intelligente Kommentare sind natürlich immer willkommen.

Die Frage ist bloß, ob Chomsky nicht zu sehr ausspart, was eigentlich von der Sprachverwendung untrennbar ist. Schwierig wird es jedenfalls, wenn die Grammatik, wie in vielen asiatischen Sprachen, auf ein Minimum reduziert ist. Flexion ist ja kein allgemeines Kennzeichen von Sprache. Aber wenn selbst Burgess ein ganzes Buch braucht, um das zu argumentieren, will ich gar nicht versuchen, das Thema auf ein paar Zeilen zu reduzieren.
diefrogg - 19. Aug, 13:31

Obwohl ich...

selbst nicht so recht weiss, wo ich in der Frage stehe, spiele ich jetzt mal ein bisschen advocatus diaboli für Chomsky. Wahrscheinlich geht es um die Frage von Form und Inhalt. Die Form, quasi die Grammatik, ist im Hirn angelegt. Nicht in allen Sprachen gleich, zwar. In der englischen Sprache wird ja auch wenig konjugiert und dekliniert. Dafür hält man sich relativ rigide an bestimmte Satzstellungen. In den asiatischen Sprachen ist das möglicherweise auch so. Fülle in die bestehende Struktur Wörter, die etwas bedeuten, dann bekommst Du auch den Inhalt. Fertig.

syro0 - 19. Aug, 13:50

Ich will Chomsky ja nicht abstreiten, daß er einige interessante Theorien hat. Nur ist es eben so, daß das Argument für generative Grammatik (wie ich es verstehe) im wesentlichen das ist, daß die Tiefenstruktur in allen Sprachen gleich ist. Chomsky selbst hat seine Meinung dazu ja schon etwas revidiert, aber obwohl das Modell in indoeuropäischen Sprachen gut genug zu funktionieren scheint, kann ich die Übertragung auf agglutinierende Sprachen oder solche ohne jegliche Flexion nicht nachvollziehen.
Davon abgesehen gibt es durchaus "ungrammatische" Sätze, die als solche gemeint sind, und in der Realität keine anderen Satzteile implizieren. Wenn ich sage "Stop!" dann meine ich das so, und nicht "eigentlich" - "Ich möchte, daß du aufhörst" oder "Würdest du bitte aufhören" oder "Bleib stehen" [die Tatsache, daß es mir nicht gelingt, dem Imperativ andere Satzteile hinzuzufügen, die es erlauben, die Bedeutung [und grammatische Form] beizubehalten spricht nicht allzu sehr gegen diesen Ansatz, oder?]

Es geht mir im wesentlichen darum, daß Theorien wie die Chomskys zwar faszinierend sind, und durchaus neue Ergebnisse liefern, aber keineswegs endgültig. Die quasi-Verehrung des Mannes, die hie und da bemerkbar ist, scheint mir jedenfalls [wie immer in solchen Fällen] maßlos überzogen (und vermutlich politisch motiviert). Vom Prinzip strukturalistische Theorien sind oft in ihrer Reinform interessanter als in ihrer praktischen Umsetzung, man sollte ihnen daraus keinen Strick drehen.
diefrogg - 19. Aug, 14:59

Ja, richtig...

die Tiefenstruktur soll in allen Sprachen gleich sein. Jetzt, wo ich das lese, fällt mir wieder mein Studium vor zwanzig Jahren ein. Damals habe ich mir immer vorgestellt, dass die Tiefenstrukturen sämtlicher möglichen Sätze zu einem Urschrei zusammen fallen. Naja, das ist jetzt ein bisschen versponnen, aber es eignet sich als eine Art Metapher dafür, was ich damals von Chomsky hielt.
Wir hatten eine ziemlich nervöse Professorin aus Holland, die uns Generative Grammatik beibrachte. Sie trug immer diese schwarzen Miniröcke, die am Schluss der Vorlesung jeweils total voller Kreide waren - was unserem Unveständnis der Generativen Grammatik gegenüber leider gar nicht abhalf.
Ob Chomsky für seine politischen Schriften von den gleichen Leuten bewundert wird wie für seine Linguistik? Ich wage es zu bezweifeln...

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